26 Feb

Homeschooling bei der Blumenfee

Unsere Beraterin geht heute Blumenkaufen (in Niedersachsen geht das wieder). Zur Grundschule gegenüber bringen wenige Eltern ihre Kinder, fahren schnell weiter, winken hektisch. Notbetreuung. Die Schulen machen das und zum Teil Wechselunterricht, hauptsächlich aber ist Homeschooling angesagt. Die Beraterin denkt an die Mutter, die vor vielen Jahren ihr Kind sozusagen „under cover“ an einer Ganztagsschule anmeldet. Sie fürchtete das Gerede der Nachbarn, will aber wieder berufstätig sein . Das ist ja wohl nicht mehr so. Aber: Was machen im Moment alle die berufstätigen Frauen und Männer, die ihr Kind den ganzen Tag zu Hause haben? Die Hauptlast tragen wieder die Frauen, hört die Beraterin einen Politiker reden und denkt etwas zynisch: Die sind gerade von den Nachhilfelehrerinnen der Nation zu Haupt-Lehrerinnen aufgestiegen. Und sind abhängig davon, wie die Schulen ihren Job machen. Ob sie die Kinder anleiten, sich gegenseitig zu helfen, ob die Schüler*innen Feedback von ihren Lehrpersonen bekommen, der soziale Zusammenhalt gepflegt wird.Ach, auf uns hört ja grad wieder keiner, denkt die Beraterin etwas resigniert und selbstironisch.

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22 Feb

Sozialpädagogik meets Schulpädagogik

Freundlichkeit hinter Meeting-Kacheln
Unser Schulentwicklungsberater ist heute digital zu Gast bei Lehrenden der Sozialpädagogik, Hauptreferat: Dietrich Benner

Wir, das IfpB, sind eine professionelle Lerngemeinschaft von Pädagogik-Treibenden aus verschiedenen Sparten. Bei unserer Teamarbeit gucken wir dabei gerne mal in den Kochtopf der anderen. Spannend! Ich arbeite, als gelernte Lehrkraft und Organisationsentwickler, im Sektor der Schulpädagogik. Ein Kollege beackert das Feld der Schulpädagogik. Als Technik-Support unterstütze ich ihn bei der digitalen Durchführung einer Konferenz von Lehrenden der Sozialpädagogik.

Das Hauptreferat hält Dietrich Benner. Herrn Benner kenne ich schon seit Studientagen und aus  Vorhaben der Schulentwicklung im Lande. Ich schätze ihn total, diesen redegewandten und absolut freundlichen älteren Herrn. So wie er möchte ich auch mal werden, wenn ich alt bin. Er hat sich sehr verdient gemacht durch sein Engagement für die echte Integration von Schul- und von Sozialpädagogik-Kräften im schulischen Alltag. Das Modellprojekt dazu war die Wartburg-Grundschule in Münster, vor einem Jahrzehnt Trägerin des deutschen Schulpreises.

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13 Feb

Eine Frage des Blickwinkels

Unser Schulentwicklungsberater hat ferngesehen. ARD-Brennpunkt! Nun ist er ein bisschen böse und möchte Ihnen sagen: Glauben Sie das nicht! Distanzunterricht ist wie Präsenzunterricht eine Frage der Einstellung. Wir brauchen schülerzentrierte Lernformen – hier wie dort.

Der Tenor der Sendung: „Distanzunterricht klappt nicht. Gerade die Bildungsfernen werden abgehängt. Daher müssen alle Schüler*innen dringend wieder zurück ins Schulhaus. Schule, du heile Bildungsanstalt, alle vermissen dich!“ Das wollte die ARD im Brennpunkt am Mittwoch nach dem Tagen der Bund-Länder-Kommission beweisen. Der Versuch ist komplett missglückt!

Gezeigt wurde eine Realschul-Lehrkraft. Inkognito, das Gesicht verpixelt, mit nachgesprochener Stimme. Angeblich, damit sie keinen Ärger mit ihrer Schulaufsicht bekommt. Das klassische Klischee: Eine Ohrfeige für jede engagiert arbeitende Beamtin in der Behörde, die die Lehrkraft für ihren Einsatz sicherlich gelobt hätte. Was soll das – ARD?

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01 Feb

Digitale Barriere Lehrperson?

Vor wenigen Tagen zeigte die 20-Uhr-Tagesschau  ein Berliner Grundschulkind bei der Hausaufgabenbetreuung. Der Reporter fragt: „Hast du denn gar keinen Videounterricht?“ Das Kind antwortet traurig: „Nein. Ich hole mir montags eine Tüte mit Aufgaben. Freitag bringe ich sie wieder hin. Meine Lehrerin sehe ich gar nicht.“ Bitter für uns IfpB-ler, solche Bilder im Fernsehen zu sehen.

Droht also die Bildungskatastrophe für die Schüler*innen, deren die Eltern die Aufgabe als Hauslehrer nicht wahrnehmen können? Bildungsforscher halten für bewiesen, dass Lernen auf Distanz weniger wirksam sei als Unterricht im Live-Kontakt zur Lehrperson.

Doch das stimmt so pauschal nicht. Das zeigen die Erfahrungen unserer Schulen, die im Lockdown gut dastehen.

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16 Jan

„Impeachment!“ oder „Störungen haben Vorrang!“

Heute machen wir ein Gedankenexperiment: Wir deuten das aktuelle Agieren des amerikanischen Präsidenten mit dem Förderblick der Pädagogik, so wie es in inklusiven Lerngruppen heterogenitätsgerechter Schulen Stand der Technik ist. Aus diesem Blickwinkel erscheint das Auftreten Donald Trumps im Zusammenhang mit der Erstürmung des Capitols wie das entfesselte Auftreten eines Kindes mit dem Syndrom der sozial-emotionalen Entwicklungsstörung. Was für Konsequenzen ergeben sich bei dieser Sicht auf die Dinge für das eingeleitete Verfahren der Amtsenthebung?

Störungen haben Vorrang! ist ein Grundsatz der systemischen Pädagogik. Störungen mögen nerven, aber sie sind wichtig, denn sie zeigen Fehler im Zusammenwirken der sozialen Strukturen an, so wie die rote Warnlampe im Auto, wenn dem Motor ein kritischer Zustand droht. Weggucken wäre fahrlässig.

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07 Jan

Schule zu! Und nu?

Butter bei die Fische! sagen wir.

Viele haben es nicht geglaubt, aber es passiert nun doch: Landauf, landab sind die Schulen zu, die Schüler*innen zu Hause und die Lehrkräfte im Homeoffice. Unter dem Aspekt der Betreuung der Kinder berufstätiger Eltern ist das hochproblematisch –für die Eltern, für die Kinder, für unser Wirtschaftssystem und damit für unsere Zukunft. Das stellt auch unser Institut für pädagogische Beratung nicht in Frage.

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29 Dez

Mein Corona-Jahr 2020

Viel Enttäuschendes hat unser Schulentwicklungsberater 2020 erlebt, aber auch ungeheuer aus den besonderen Gegebenheiten gelernt. Am Ende ist er sogar euphorisch und verspricht, uns alle in ein neues Jahr 2021 zu begleiten, in dem es ganz besonders erfreuliche Entwicklungen im Bildungsbereich geben kann.

Alles war anders in diesem Jahr. Wie wohl das neue wird?
Wir wünschen Ihnen viele pädagogische und unpädagogische Glücksmomente!

Ein Ausnahmejahr neigt sich dem Ende zu. Zwischen den Jahren ist – auch bei uns im IfpB – Luft nachzudenken: Was ist anders geworden?

Ich habe unendlich viel Neues gelernt in diesem merkwürdigen Pandemie-Jahr. Den Prozess des Lernens mit allen seinen Irrungen, Wendungen und Wirrungen habe ich seit vielen Jahren nicht mehr so intensiv erlebt.

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27 Dez

Weihnachtsgeschenk: Seneca-Studie

Wir betrachten diese Studie und diesen Text von Klaus Zierer (Professor für Schulpädagogik an der Uni Augsburg) in der ZEIT (Nr. 54 vom 23. Dezember 2020) als ein Weihnachtsgeschenk an Schulen und Eltern. Nicht weil die Ergebnisse sensationell sind, sondern weil der Hinweis darauf, dass Schule immer auch Beziehungsarbeit ist, so gut zum Wiederanfang des Präsenzunterrichts passt.

Gerade wollen wir vom IfpB Mein Corona-Jahr schreiben, da flattert mit der Weihnachtausgabe der ZEIT ein echtes Geschenk für Pädagogen ins Haus.

Dort steht es nun noch einmal als Ergebnis einer Befragung und für alle zum Mitbuchstabieren: Schüler gehen gerne in die Schule, weil sie dort ihre Freunde treffen wollen. In den ersten Schuljahren ist die Lehrerin noch ganz wichtig, später wird es immer mehr die Peer-Group. Das ist dann auch oft die Bindung, die bleibt und die mit grundlegend ist für den Lernfortschritt – meistens jedenfalls.

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21 Dez

Vermasselter Weihnachtsferienstart

Wir bedauern das Versagen der Bildungsminister*innen der Länder

Die letzten Tage vor den Weihnachtsferien, Halbzeit im Schuljahr, sind eine Investition in das soziale Leben der Schulen. Der Ferienstart im Dezember hat für das gemeinsame Leben dort stets eine besondere Bedeutung: Lerngruppen verabschieden sich voneinander, in Vorfreude auf das Fest und den Jahreswechsel, Rituale gemeinsamen Feierns werden geübt, Zuwendung und Gemeinschaftsgefühl finden Raum und Zeit. Können für die Bewältigung der künftigen Herausforderungen des Lebens erschöpft sich nämlich nicht nur im Sprechen fremder Sprachen oder dem rationalen Umgang mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Sie lernen hier Gesellschaft! Eingebunden sein in eine größere Gemeinschaft, jenseits von Familie und Freundesclique. Die schulische Lerngruppe, in die man zufällig hineingerät, wird durch Mitglied-Sein zur sozialen Herausforderung und bestenfalls ein Ort des Aufgehoben-Seins. Auch das ist Lernen fürs Leben.

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26 Nov

Politiker als Pädagogen

Heute möchten wir Ihnen mit dem Vierstufen-Entwicklungsmodell von Piaget erklären, dass Politiker auch mal pädagogisch handeln können.

Die Kaskade von Eriwan hat erheblich mehr Stufen (572) als das Entwicklungsmodell von Piaget (4). Wir nehmen heute diesen gewaltigen Treppenkomplex mitten in der armenischen Haupstadt nicht nur als Bild für Stufen, sondern auch zur Einnerung daran, dass politisches Handlen oft schwer zu erklären ist (Rücktritt vieler Minister wg Bergkarabach). Unsere Politiker haben aber gestern Abend eine guten Job gemacht durch mehrstufiges Erklären.

Gestern, im Laufe des Abends, traten Angela Merkel, Michael Müller und Markus Söder vor die Bundespressekonferenz. Sie teilten die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen zu den weiteren Maßnahmen in der Corona-Krise bis zum Jahreswechsel vor. Politik eben. Wieso äußert sich das Blog-Team des IfpB dazu?

Weil Politik viel mit Pädagogik zu tun hat! Pädagog*innen nehmen Einfluss auf das Handeln von Personen in entwicklungsfördernder Absicht. Ihr Handwerkszeug kommt ins Spiel, wenn derjenige, der auf das Verhalten anderer einwirken will, in einer schwachen Position ist. Wenn er nicht die Macht hat, das gewünschte Handeln durchzusetzen. Wenn er darauf angewiesen ist, dass Menschen aus eigener Einsicht und selbstverantwortlich  vernünftig handeln. So wie in der Corona-Krise.

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