16 Jan

„Impeachment!“ oder „Störungen haben Vorrang!“

Heute machen wir ein Gedankenexperiment: Wir deuten das aktuelle Agieren des amerikanischen Präsidenten mit dem Förderblick der Pädagogik, so wie es in inklusiven Lerngruppen heterogenitätsgerechter Schulen Stand der Technik ist. Aus diesem Blickwinkel erscheint das Auftreten Donald Trumps im Zusammenhang mit der Erstürmung des Capitols wie das entfesselte Auftreten eines Kindes mit dem Syndrom der sozial-emotionalen Entwicklungsstörung. Was für Konsequenzen ergeben sich bei dieser Sicht auf die Dinge für das eingeleitete Verfahren der Amtsenthebung?

Störungen haben Vorrang! ist ein Grundsatz der systemischen Pädagogik. Störungen mögen nerven, aber sie sind wichtig, denn sie zeigen Fehler im Zusammenwirken der sozialen Strukturen an, so wie die rote Warnlampe im Auto, wenn dem Motor ein kritischer Zustand droht. Weggucken wäre fahrlässig.

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07 Jan

Schule zu! Und nu?

Butter bei die Fische! sagen wir.

Viele haben es nicht geglaubt, aber es passiert nun doch: Landauf, landab sind die Schulen zu, die Schüler*innen zu Hause und die Lehrkräfte im Homeoffice. Unter dem Aspekt der Betreuung der Kinder berufstätiger Eltern ist das hochproblematisch –für die Eltern, für die Kinder, für unser Wirtschaftssystem und damit für unsere Zukunft. Das stellt auch unser Institut für pädagogische Beratung nicht in Frage.

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29 Dez

Mein Corona-Jahr 2020

Viel Enttäuschendes hat unser Schulentwicklungsberater 2020 erlebt, aber auch ungeheuer aus den besonderen Gegebenheiten gelernt. Am Ende ist er sogar euphorisch und verspricht, uns alle in ein neues Jahr 2021 zu begleiten, in dem es ganz besonders erfreuliche Entwicklungen im Bildungsbereich geben kann.

Alles war anders in diesem Jahr. Wie wohl das neue wird?
Wir wünschen Ihnen viele pädagogische und unpädagogische Glücksmomente!

Ein Ausnahmejahr neigt sich dem Ende zu. Zwischen den Jahren ist – auch bei uns im IfpB – Luft nachzudenken: Was ist anders geworden?

Ich habe unendlich viel Neues gelernt in diesem merkwürdigen Pandemie-Jahr. Den Prozess des Lernens mit allen seinen Irrungen, Wendungen und Wirrungen habe ich seit vielen Jahren nicht mehr so intensiv erlebt.

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27 Dez

Weihnachtsgeschenk: Seneca-Studie

Wir betrachten diese Studie und diesen Text von Klaus Zierer (Professor für Schulpädagogik an der Uni Augsburg) in der ZEIT (Nr. 54 vom 23. Dezember 2020) als ein Weihnachtsgeschenk an Schulen und Eltern. Nicht weil die Ergebnisse sensationell sind, sondern weil der Hinweis darauf, dass Schule immer auch Beziehungsarbeit ist, so gut zum Wiederanfang des Präsenzunterrichts passt.

Gerade wollen wir vom IfpB Mein Corona-Jahr schreiben, da flattert mit der Weihnachtausgabe der ZEIT ein echtes Geschenk für Pädagogen ins Haus.

Dort steht es nun noch einmal als Ergebnis einer Befragung und für alle zum Mitbuchstabieren: Schüler gehen gerne in die Schule, weil sie dort ihre Freunde treffen wollen. In den ersten Schuljahren ist die Lehrerin noch ganz wichtig, später wird es immer mehr die Peer-Group. Das ist dann auch oft die Bindung, die bleibt und die mit grundlegend ist für den Lernfortschritt – meistens jedenfalls.

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21 Dez

Vermasselter Weihnachtsferienstart

Wir bedauern das Versagen der Bildungsminister*innen der Länder

Die letzten Tage vor den Weihnachtsferien, Halbzeit im Schuljahr, sind eine Investition in das soziale Leben der Schulen. Der Ferienstart im Dezember hat für das gemeinsame Leben dort stets eine besondere Bedeutung: Lerngruppen verabschieden sich voneinander, in Vorfreude auf das Fest und den Jahreswechsel, Rituale gemeinsamen Feierns werden geübt, Zuwendung und Gemeinschaftsgefühl finden Raum und Zeit. Können für die Bewältigung der künftigen Herausforderungen des Lebens erschöpft sich nämlich nicht nur im Sprechen fremder Sprachen oder dem rationalen Umgang mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften. Sie lernen hier Gesellschaft! Eingebunden sein in eine größere Gemeinschaft, jenseits von Familie und Freundesclique. Die schulische Lerngruppe, in die man zufällig hineingerät, wird durch Mitglied-Sein zur sozialen Herausforderung und bestenfalls ein Ort des Aufgehoben-Seins. Auch das ist Lernen fürs Leben.

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26 Nov

Politiker als Pädagogen

Heute möchten wir Ihnen mit dem Vierstufen-Entwicklungsmodell von Piaget erklären, dass Politiker auch mal pädagogisch handeln können.

Die Kaskade von Eriwan hat erheblich mehr Stufen (572) als das Entwicklungsmodell von Piaget (4). Wir nehmen heute diesen gewaltigen Treppenkomplex mitten in der armenischen Haupstadt nicht nur als Bild für Stufen, sondern auch zur Einnerung daran, dass politisches Handlen oft schwer zu erklären ist (Rücktritt vieler Minister wg Bergkarabach). Unsere Politiker haben aber gestern Abend eine guten Job gemacht durch mehrstufiges Erklären.

Gestern, im Laufe des Abends, traten Angela Merkel, Michael Müller und Markus Söder vor die Bundespressekonferenz. Sie teilten die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen zu den weiteren Maßnahmen in der Corona-Krise bis zum Jahreswechsel vor. Politik eben. Wieso äußert sich das Blog-Team des IfpB dazu?

Weil Politik viel mit Pädagogik zu tun hat! Pädagog*innen nehmen Einfluss auf das Handeln von Personen in entwicklungsfördernder Absicht. Ihr Handwerkszeug kommt ins Spiel, wenn derjenige, der auf das Verhalten anderer einwirken will, in einer schwachen Position ist. Wenn er nicht die Macht hat, das gewünschte Handeln durchzusetzen. Wenn er darauf angewiesen ist, dass Menschen aus eigener Einsicht und selbstverantwortlich  vernünftig handeln. So wie in der Corona-Krise.

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18 Nov

Nicht schon wieder: Die Lerngruppen zerreißen!

Heute machen wir Ihnen einen Vorschlag, wie Sie Abstand und Hygieneregeln einhalten können, ohne die Lerngruppen zu zerreißen.

Die Kanzlerin will es, die Bundesländer eher nicht: Aus Gründen des Infektionsschutz in der Schule die Abstandsregeln (wieder) in Kraft setzen. In der Tat ist es merkwürdig: Beim Lernen in der Schule dürfen Ali, Paul und Clara die Köpfe zusammenstrecken, beim Spielen am Nachmittag im Park dürfen sie es nicht. Wer soll das verstehen?

Die Kultusminister halten am Präsenzunterricht fest, weil sie wissen: Lernen ist eine Gemeinschaftsleistung. Kinder lernen – entgegen landläufiger Meinung – nicht von ihren Lehrpersonen, sondern beim gemeinsamen Tun. Aufgabe der Lehrpersonen ist, dafür zu sorgen, dass das gemeinsame Tun der Kinder zielführend im Sinne der zu entwickelnden Kompetenzen ist.

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14 Nov

Coronaleugner – Ergebnis verfehlter schulischer Bildung?

Harter Tobak: Heute denken wir darüber noch, ob es einen Zusammenhang zwischen schulischer Bildung und sozial-emotionalen Störungen gibt und wie ein Förderpädagoge die Politik beraten würde.

Letztes Wochenende meldete das RKI 22000 tägliche Neuinfektionen und die ARD 30000 Corona-Leugner in der Leipziger Innenstadt, ohne Abstand und Masken. Geht‘s noch? Demonstranten ohne Bewusstsein für soziale Verantwortung, rücksichtslos Infektionen verbreitend, das eigene Freiheits-Feeling verabsolutierend?

Aus Sicht des systemischen Pädagogen erfüllen Menschen, die so handeln, den Fördertatbestand Störung der sozial-emotionalen Entwicklung (ESE). Ihnen geht die Fähigkeit ab, das eigene Handeln in sozial verantwortlicher Weise so auf die Bedürfnisse anderer Menschen abzustimmen, dass das Wohlergehen aller bestmöglichst gefördert wird.

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02 Nov

Wertschätzen – ohne Anpacken!

Ni hao (gesprochen niha = du gut!? Die Hände aufs Herz und leicht vorbeugen) So begrüßen die Chinesen sich. Was wir unseren Schüler*innen bei Beginn von Lockdown Nr. 2 unbedingt beibringen müssen.

Heute sind wir sehr nachdenklich. Wir fragen uns: Haben wir da etwas versäumt? Wie können wir unseren Schüler*innen zeigen, dass Achtsamkeit jetzt anders geht? Dass wir den Zusammenhalt einer Gruppe jetzt nicht durch körperliche Nähe, sondern freundliche Worte und Gesten ausdrücken müssen? Hier der Fall:

Am Mittwoch verbreitete sich die Meldung vom neuen Lockdown als Folge des Explodierens der Corona-Infektionen. Am Donnerstag trafen sich Lehrkräfte einer Gesamtschule im Ruhrgebiet in ihrer Workshopgruppe zur Gestaltung der digitalen Inklusion (vgl. Blog vom 10.10.2020) an der Schule.

Eine Kollegin berichtete: „Wir haben die Maskenpflicht beibehalten, als das Ministerium sie vor ein paar Wochen im Unterricht aufgehoben hat. In der Schule sind die Kids auch wirklich brav und halten sich an die Regelungen, auch wenn es ihnen schwer fällt. Aber nach Unterrichtsschluss stehen die Oberstufen-Schüler wie eh und je auf dem Weg hinter dem Schulgelände und pflegen ihre Sozialkontakte ohne Distanz, über die Hälfte ohne Maske und Vorsicht. Sogar Schüler*innen, die mir gerade noch erklärt haben, sie wollten keinesfalls schuld sein, wenn sich ihre Oma ansteckt, stürzen sich mitten ins Getümmel. Was sollen wir da machen?“

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10 Okt

Messenger: Gut fürs kooperative Lernen

Heute bittet der Niedersächsische Kultusminister die Schüler*innen sich warm anzuziehen. Er meint das wörtlich (wegen Durchlüftung), wir sehen das für die nächste Zeit durchaus auch bildlich und möchten Ihnen heute eine metaphorische Pudelmütze anbieten.

Es hat sich gezeigt, dass es generell und besonders im Distanzlernen wichtig ist, die Kommunikation innerhalb der Lerngruppe flüssig zu halten. Das Mittel dazu haben Sie längst und die meisten Schüler*innen beherrschen es: Den Messenger!

Ihre Situation derzeit: Die Schulen in Deutschland kämpfen mit der Herausforderung, digitale Werkzeuge für erfolgreiches Lernen zu erschließen. Sie betreiben Unterrichtsentwickung in Echtzeit: Sich im laufenden Betrieb, unter dem rollenden Rad, digitale Technik und digitales Arbeiten so zu erschließen, dass das Lernen in den Klassen und Lerngruppen besser gelingt. Pädagogisches Neuland wird betreten. Ein ehrenwertes und schwieriges Unterfangen!

Die Entwicklungsarbeit ist systemische Selbsttransformation. Es geht nicht nur um den Erwerb neuer lernbezogener Kulturtechniken der einzelnen Lehrkraft, sondern um die Modernisierung der Arbeitsweise der Schule als Ganzes. So was lässt sich nicht verordnen. Lehrkräfte müssen motiviert und unterstützt werden, sich die neuen Möglichkeiten in konstruktiver Weise zu erschließen und sie praxistauglich zu machen.

Die Unterstützung dazu: Das Dortmunder Bildungswerk FeSch – Forum Eltern/Schule bietet Schulen Unterstützung in Form von Workshops für Lehrkräfte an, die nicht nur selbst lernen, sondern auch ihre Schule weiterbringen wollen.

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