31 Jul

Vom fliegen lernen

Foto: Julia Anthony

Unser Schulentwicklungsberater hat ein bisschen geträumt: Ferienzeit – Lernzeit?

Unsere Beratungspersonen werden tätig, wenn die Klienten rufen. In der zweiten Julihälfte ist es üblicherweise still. Ferienzeit. Da laufen Bildungseinrichtungen, die wir beraten, auf Sparflamme. Bildungsprozesse auch, oder?

Unsere Beratungsperson sitzt auf dem Balkon: Einfach nur mal in den Garten gucken – wann hat man schon dafür Zeit? Die Blumen auf der Brüstung blühen, die Bäume leuchten grün. Friedliche Stimmung im Blockinnenbereich. Wohnen in der Stadt kann schön sein.

In diesem Jahr gibt es wieder Spatzen. Viele Jahre gab es hier keine, nun sind sie wieder da. Ein Spatz fliegt einen herausstehenden Ast einer Konifere im Nachbargarten an. Der Ast wippt, der Vogel hüpft auf einen kleinen Nachbar-Ast weiter, dreht sich um. Ein Jungvogel flattert herbei. Er landet, etwas ungeschickt, auf dem großen Ast und rückt nahe an den Stamm heran, ihm folgen drei weitere mit heftigem Flügelschlagen. Schließlich bilden die vier Jungvögel eine ordentliche Reihe auf dem Ast, aufmerksam beobachtet vom Elternvogel. Lautes Gezwitscher. Eine kleine Weile bleibt die Szene statisch. Fast kann man sich vorstellen, wie das Elternteil kommentiert: „Gut gemacht, die Landung, ihr Kids!“ Der Elternvogel dreht sich um, spreizt die Flügel und legt einen dynamischen Flugstart hin. Die Jungvögel heben der Reihe nach ab. Nicht ganz so perfekt, mehr Flattern und weniger Eleganz. Aber erfolgreich!

Hier ist offensichtlich eine Flugschule unterwegs.

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17 Jul

Zentralabitur – Risiken und Nebenwirkungen eines Prüfungsformats


Die Kommissionen, die zentrale Aufgaben (z. B. in Mathematik) erstellen, brauchen Feedback durch die Schulen

Nun neigt sich das Schuljahr auch in den Ländern mit späten Ferienterminen dem Ende zu. Da trifft sich traditionell das Kollegium zum Feiern. Auch in diesem Ausnahmejahr werden diejenigen, die in den Ruhestand gehen oder versetzt werden, würdig verabschiedet. Dabei lecken sich die Lehrkräfte ihre Wunden und erörtern die Erfahrungen des gemeinsamen Schaffens. Freunde der Schule, so wie wir als regelmäßige Beratungspersonen, werden dazu gelegentlich eingeladen.

Gesamtschulen, Gymnasien und Berufsschulen erörtern auch in diesem Corona-Ausnahmejahr, wie die Schülerschaft mit den zentralen Prüfungen klargekommen ist. Mathematik ist dabei oft der Aufreger, auch in diesem Jahr.

Ein Kollege beklagt sich: In Mathe hatten mehrere Aufgaben Kontexte, die für die Schüler*innen nicht zu verstehen waren. Sehr problematisch, denn so etwas was kommt in keinem der wichtigen Schulbücher vor. Wenn man als Mathe-Lehrer den Kontext durchdrungen hat, ist die Aufgabe zwar mathematisch wenig anspruchsvoll, aber wie sollen Schüler*innen sie verstehen?

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06 Jul

Vom individuellen Hämmern

Der Individualität gerecht werden

Die Englisch-Fachschaft einer Gesamtschule sitzt zusammen. Die Schulleitung will selbstständiges Arbeiten der Schüler*innen voranbringen. Sie hat ein Entwicklungsprojekt gestartet. Lerngruppen sollen in schriftlicher Form differenzierte Lernangebote erhalten. Ganze Unterrichtsreihen über mehrere Wochen sollen so ausgestaltet werden, dass die Kinder und Jugendlichen selbstverantwortlich navigieren können.

Sicher ist das eine gute Idee: Das Lernangebot der Schule wird schriftlich gefasst. Es wird so designt, dass es für alle Lernende des Jahrgangs taugt. Also muss es, gerade in einer Gesamtschule, vielfaltstauglich sein. Egal, ob hoch- oder tiefbegabt: Jedes Kind aller parallelen Klassen des Jahrgangs soll dort ein Lernangebot finden, das an seine Lernvoraussetzungen andockt. Eltern, Lehrkräfte der Nachbarschule und zum Beispiel die Bürgermeisterin der Stadt, in der die Gesamtschule steht, können nachlesen, wie in Klasse 7 der Gesamtschule gearbeitet wird. Qualität wird sichtbar – fehlende Qualität allerdings auch …

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