03 Jul

Die richtigen Fragen

Nektar saugen: Her Spiewak stellt die richtigen Fragen!


Die Rubrik Wissen kommt in der ZEIT (räumlich!) ziemlich weit hinten. Bis man da ankommt, liegt die nächste Ausgabe oft schon auf der Treppe. In der letzten Ausgabe (Donnerstag, 25.6.) fragt der langjährige Wissen-Redakteur Martin Spiewak Schulleiter*innen von drei renommierten deutschen Schulen nach dem Guten, das in diesen Schulen in der Corona-Virus-Zeit passiert ist.

Das sind unserer Meinung die richtigen Fragen zur Auswertung der Krise!

Tatsächlich gibt es Schulen, die gut durch die Lockdown-Zeit gekommen sind. Was sind die Erfolgsgeheimnisse? Frau Schubert, hochkompetente Leiterin einer langjährigen Reformschule, berichtet, viele Schüler*innen hätten in der Zeit, in der sie (notgedrungen) mehr Selbstverantwortung für ihr Lernen hatten, unerwartete, kreative, fundierte Lernleistungen erbracht – höhere, als im normalen Unterricht der Schule, der schon bisher durch die Förderung von Individualisierung und Selbstverantwortung im Lernen bekannt ist.

Frau Schubert zieht – absolut berechtigt – den Schluss: Darüber müssen wir weiter nachdenken! Das ist der Ansatzpunkt für die weitere Entwicklung unseres Schulwesens.

Aus unserer Beratungsarbeit mit Schulen können wir die Beobachtung bestätigen. An allen Schulen, die Lernen von der Pädagogik her gestalten, hat ein Teil der Kinder und Jugendlichen gerade in der Krisenzeit Entwicklungsschübe getan. Das gilt keineswegs nur für Kinder mit wohlsituiertem Elternhaus und hohem kognitiven Potential. Auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Lernen, Jugendliche mit sprachlichen Problemen aus Migrations-Familien, Lernende ohne High-tec-Digital-Equipment gehören zu denen, die sich in der Krise gut entwickelt haben.

Aus unserer – selbstverständlich nicht repräsentativen – Sicht sind zwei Faktoren für das Gelingen maßgeblich, die die Schule selbst beeinflusst: Es hat da gut geklappt, wo die schon vorher auf selbstständiges Lernen hin ausgelegte Organisation den Lernprozesses auch in der Krisenzeit nicht aufgegeben, sondern sogar gestärkt worden ist – die Struktur des Lernens in der Lerngruppe also wertschätzend behandelt worden ist. Und dort, wo Lehrkräfte das Aufrechterhalten ihres Lehrer-Bezugs zu den von ihnen begleiteten Lerngruppen weiterhin als ihre Aufgabe wahrgenommen haben. Und zwar unabhängig von den eingesetzten (digitalen) Kommunikationswerkzeugen, sondern mit den jeweils funktionierenden Kommunikationskanälen.

Es zeigt sich: Nachhaltiges Lernen entsteht da, wo Schule die Lernenden ernst nimmt. Da, wo Schule nicht als Organisationshülle für Lehrer-Arbeit, sondern als Raum für gelingendes Lernen der Kundschaft gestaltet wird. Dort, wo deren Bedarfe und Notwendigkeiten für gelingendes Lernen im Zentrum stehen und Kern der Suche nach einer geeigneten Struktur des gruppenbezogenen Lehr-Lern-Prozesses aufgefasst wird. Wo Schule von den Lernenden her gedacht und weiter entwickelt wird. Danke, Martin Spiewak, für Fragen, die weiterführen!

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